Die Familie Feuerstein

Die von den legendären Produzenten William Hanna und Joseph Barbera erschaffene US-amerikanische Zeichentrickserie Familie Feuerstein (Originaltitel: The Flintstones) ist einer der größten Meilensteine der Fernsehgeschichte. Als allererste Animationsserie die zur Hauptsendezeit im Abendprogramm ausgestrahlt wurde, feierte sie am 30. September 1960 ihre US-Premiere auf dem Sender ABC. Bis zum Jahr 1997 hielt sie den Rekord als kommerziell erfolgreichste und langlebigste Zeichentrickserie aller Zeiten, bevor sie schließlich von den Simpsons abgelöst wurde. Insgesamt wurden von 1960 bis 1966 in sechs Staffeln 166 Episoden produziert, die ab 1966 auch das deutsche Fernsehpublikum begeisterten. Ursprünglich war das Format gar nicht primär für Kinder gedacht, sondern parodierte als animierte Sitcom für Erwachsene das typisch US-amerikanische Vorstadtleben der 1950er- und 1960er-Jahre. In den ersten Staffeln war die Serie sogar so stark auf ein reiferes Publikum zugeschnitten, dass die Hauptfiguren in den US-Werbepausen für Zigaretten warben.

Das kreative Grundkonzept der Serie basiert auf der Verlegung moderner Alltagssituationen in die fiktive Steinzeitstadt Steintal (Bedrock). Obwohl die Charaktere in Steinhäusern leben und Tierfelle tragen, müssen sie nicht auf den Luxus der Moderne verzichten, da dieser durch einfallsreiche „Steinzeit-Technologie“ ersetzt wird. So werden Autos kurzerhand mit den eigenen Füßen angetrieben, während Dinosaurier und Mammuts als Haushaltsgeräte herhalten müssen beispielsweise ein Mammut als Staubsauger oder ein Flugsaurier als Schallplattenspieler. Bezahlt wird in dieser Welt passenderweise mit Kies und Steinen.

Im Mittelpunkt der Geschichten stehen zwei benachbarte Arbeiterfamilien. Das lautstarke, cholerische aber im Kern gutmütige Familienoberhaupt Fred Feuerstein arbeitet als Dinobaggerführer im Steinbruch von Mr. Schiefer und ist weltbekannt für seine ikonischen Ausrufe „Wilmaaaaaa!“ und „Yabba-Dabba-Doo!“. Seine kluge und emanzipierte Ehefrau Wilma biegt das Chaos, das Fred regelmäßig anrichtet mit ruhiger Hand wieder gerade. In der dritten Staffel wird das Familienglück durch die Geburt ihrer kleinen Tochter Pebbles perfektioniert, während der lila Hausdinosaurier Dino die Rolle eines verspielten Hundes übernimmt. Freds bester Freund und Nachbar Barney Geröllheimer ist deutlich ruhiger sowie etwas naiv, hält aber in jeder Lebenslage bedingungslos zu Fred. Barney bildet zusammen mit seiner Ehefrau Betty, Wilmas bester Freundin und dem adoptierten Sohn Bamm-Bamm der über übermenschliche Kräfte verfügt und gerne mit seiner Keule hantiert, das perfekte Gegenstück zu den Feuersteins.

Der weltweite Erfolg des Konzepts lässt sich eindrucksvoll an den Vertriebszahlen ablesen: Die Zeichentrickserie wurde im Laufe der Jahrzehnte in über 80 Ländern ausgestrahlt und in 22 verschiedene Sprachen übersetzt, wodurch Fred und Barney zu globalen Kultfiguren wurden.

Der riesige kulturelle Einfluss der Serie spiegelt sich auch in ihrer weltberühmten Titelmelodie „Meet the Flintstones“ wider, die kurioserweise erst ab der dritten Staffel als offizielles Intro eingesetzt wurde. Der langanhaltende Erfolg der Originalserie zog ein riesiges Franchise nach sich, das zahlreiche Spin-offs wie Pebbles und Bamm-Bamm, diverse Zeichentrick-Specials sowie zwei bekannte Hollywood-Realverfilmungen aus den Jahren 1994 und 2000 hervorbrachte. Spannenderweise schloss sich für Christel Merian, die spätere Zeichentrickstimme von Wilma, bei der Realverfilmung von 1994 ein Kreis: Sie synchronisierte dort die Schauspielerin Elizabeth Perkins in der Rolle der echten Wilma Feuerstein, während der deutsche Schauspieler und Synchronsprecher Helmut Krauss der Real-Version von Fred (gespielt von John Goodman) seine Stimme lieh.

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Die Zeichentrickserie im DeutscheN Fernsehen

Maßgeblich zum Erfolg in Deutschland beigetragen hat auch die markante Synchronisation, bei der die Stimmen über die Jahre in verschiedenen Synchronphasen besetzt wurden. Im deutschen Fernsehen wurde die Serie erstmals am 1. Juli 1966 ausgestrahlt. In der ursprünglichen ARD-Fassung aus den 1960er-Jahren lieh Eduard Wandrey dem polternden Fred Feuerstein seine unverwechselbare tiefe Stimme. Als die Serie in den 1980er-Jahren für den Privatsender Sat.1 neu vertont wurde, übernahm Heinz-Theo Branding die Rolle des Fred, während Engelbert von Nordhausen ihm in späteren Specials und Ablegern seine Stimme schenkte. Wilma Feuerstein wurde in der ersten Phase von Ilse Kiewiet und später für Sat.1 von Christel Merian gesprochen. Freds treuer Kumpel Barney Geröllheimer fand in Gerd Duwner seine bekannteste deutsche Stimme, der die Figur mit einem unvergesslichen, gemütlichen Lachen prägte. Barneys Ehefrau Betty wurde über einen langen Zeitraum von Ingeborg Wellmann synchronisiert. Ein humorvolles Detail der deutschen TV-Geschichte ist zudem, dass in einigen frühen Folgen sogar Komiker-Legende Dieter Hallervorden als Sprecher für verschiedene Nebencharaktere mitwirkte.

Die Entstehung der Zeichentrickserie

William Hanna und Joseph Barbera die zuvor mit Tom und Jerry im Kino Welterfolge gefeiert hatten, gründeten ihre eigene Produktionsfirma. Dies geschah nachdem ihr damaliges Studio MGM 1957 die Trickfilmabteilung schloss. Da Fernsehproduktionen weit weniger Budget boten als Kinofilme, revolutionierten sie die Branche mit der sogenannten „limitierten Animation“. Doch die eigentliche Idee für eine animierte Familienserie zur Hauptsendezeit stammte von einem Manager der Vertriebsfirma von Hanna Barbera. Auf der Suche nach dem richtigen Konzept experimentierten Hanna und Barbera mit verschiedenen Szenarien, bevor sie sich für die Höhlenmenschen entschieden. Zuerst zogen sie Familien aus dem antiken Rom, eine Pilgerfamilie oder gar eine indigene amerikanische Familie in Betracht. Als Hauptinspiration für das Zusammenleben und die Dynamik der Paare diente schließlich die extrem populäre Real-Sitcom The Honeymooners aus den 1950er-Jahren. Der optische Look und das finale Design der Figuren stammen maßgeblich von dem US-amerikanischen Trickfilmer und Chef-Designer Ed Benedict.

Während William Hanna und Joseph Barbera die grobe Richtung und die Persönlichkeiten vorgaben, war es Benedict der Fred, Wilma, Barney und Betty ihr unverwechselbares Aussehen verlieh. Joseph Barbera war zwar selbst ein hervorragender Zeichner und steuerte Skizzen, Mimik und Posen bei, doch Ed Benedict übertrug das Ganze in den typischen, kantigen und vereinfachten Grafikstil. Dieser minimalistische Stil war perfekt auf die kostensparende „limitierte Animation“ abgestimmt, die die Serie im Fernsehen überhaupt erst bezahlbar machte.

Kuriositäten rund um die Serie

Im ursprünglichen Skript sollte Fred Feuerstein bei Freude einfach nur laut „Yahoo!“ rufen. Doch der US-Originalsprecher Alan Reed fand das zu langweilig und rief stattdessen spontan „Yabba-Dabba-Doo!“. Die Macher waren so begeistert, dass der Ausruf zur Legende wurde. Hanna und Barbera planten für Fred und Wilma ursprünglich einen Sohn namens Fred Jr.. Eine Spielzeugfirma überzeugte die Macher jedoch in letzter Minute, ein Mädchen daraus zu machen, da sich Mädchen-Puppen im Merchandise viel besser verkaufen ließen. Das Kalkül ging auf: Die Pebbles-Puppe war am Tag der Ausstrahlung der Geburtsepisode quasi sofort ausverkauft. Der legendäre US-Sprecher Mel Blanc (die Stimme von Barney) hatte 1961 einen lebensgefährlichen Autounfall und lag wochenlang im Koma. Um die Produktion nicht zu gefährden, richtete das Studio kurzerhand ein Behelfs-Tonstudio direkt in seinem Krankenzimmer ein. Blanc sprach Barneys Texte komplett im Krankenbett liegend ein, während er noch in Gips eingepackt war.

Obwohl die Serie in der Steinzeit angesiedelt ist, feiern die Charaktere Weihnachten. Eine berühmte Fantheorie besagt deshalb, dass die Familie Feuerstein gar nicht in der Vergangenheit spielt, sondern in einer postapokalyptischen Zukunft. Nach einem nuklearen Krieg wurde die Menschheit technologisch zurückgeworfen, nutzt nun mutierte Tiere als Werkzeuge und erinnert sich nur noch bruchstückhaft an alte Feiertage wie das Weihnachtsfest.

Der Weg ins Fernsehen war jedoch ein harter Kampf. Die Macher produzierten zunächst einen dreiminütigen Testfilm (Pilotfilm) unter dem Titel The Flagstones. Aufgrund von Urheberrechtsproblemen mit einem existierenden Comic-Streifen mussten sie den Namen jedoch kurzfristig in The Flintstones ändern. Joseph Barbera zog anschließend acht Wochen lang durch New York, um die völlig neuartige Idee einer Zeichentrickserie für Erwachsene an Sponsoren und Sender zu verkaufen. Fast überall erntete er nur ungläubiges Kopfschütteln. Erst am allerletzten Tag der Verkaufsphase griff der Sender ABC in einem kurzen, 15-minütigen Treffen zu und schrieb damit Fernsehgeschichte.

Brands und Lebensmittel

Die weltberühmten „Pebbles“-Cerealien: Die wohl langlebigste Markenpartnerschaft der US-Geschichte ging der Lebensmittelgigant Post Consumer Brands ein. Die Frühstücksflocken Fruity Pebbles und Cocoa Pebbles (benannt nach Freds Tochter) kamen 1971 auf den Markt, zeigen bis heute Fred und Barney auf der Packung und feierten bereits ihr 50-jähriges Bestehen.

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